TUESDAY, FEBRUARY 28, 2017

Tlingit Indianer



Die Tlingit sind ein Volksstamm der Na – Dene – Sprachfamilie. Ihre Heimat ist die Region Panhandel in Südalaska. Einige Gruppen lebten auch im Inland von British Columbia. Das milde Klima und die unglaublichen Natürschätze Ermöglichten den Tlingit ein durchdachtes und komplexes Gesellschaftssystem, eine eigene Religion und eine selbstständige künsterische Tradition zu schaffen.

Die Tlindit waren in zwei Hauptgruppen oder Stammeshälften unterteilt. In sie wurde man hineingeboren, die eine war die des Raben, die andere, die des Wolfes. Jrder der Gesellschaft gehörte zu einer diesen Hälften, der wiederum nur ein Mitglied der anderen Hälfte heiraten konnte. Da dieser matrilinearen Gesellschaft, gehörten die Kinder immer zur moities der Mutter. Jede diese Gesellschaft, gehörten die Gruppen >> Clane oder Horden<< geteilt. Die Raben – hälfte war in 27 Clans gegliedert. In den Dörfern hatte jeder Clan einen eigenen Anführer. Mehrere Clans waren so verzweigt, dass sie in mehreren Dörfern vertreten waren. Der Führer war auf die lokale Ebene beschränkt.

Die Tlingit waren sehr gute Seefahrer und waren in der Lage bis zu 1500 Kilometer nach Nordwesten zu fahren, um mit den dortigen Einwohneen Handel zu treiben. Sie lebten in großen Gemeinschaftshäusern mit Giebeldach, die 50-100 Personen Platz boten. Die Pfosten der Häuser waren mit Totem – Symbolen des entsprechenden Clans verziert. Mehrere solcher Häuser bildeten ein Dorf und eine bestimmte Anzahl dieser Dörfer den Stamm. Die einzelnen Haushalte hatten ihre eigenen Wirtschaftsgründer wie Kleidung, Waffen, und selbstgefertigte Gegenstände.

Die Ritualgegenstände gehörten dem ganzen Clan. In dem matriarchaischen sozialsystem wurden diese religiösen Gegenstände vor allem von den Schamanen verwendet, die das gesamte Stammesleben kontrolierten. Der glauben der Tlingit beruht auf der Annahme das jedes Ding und jedes Wesen eine Seele hat. Dieser Glaube verlangte demnach auch genaue Riten bein Jagen und Töten von Tieren.

Die Erbfolge, die eine wesentliche Rolle spielte, folgte den Regeln der Abstammung, egal wie die Organisation im Dorf war, gab es bei den Tlingit Abstammungslinien von verschiedenen Rängen. Der höchste Rang führte seine Abstammung auf ein heiliges Tier zurück, wie Raben, Adler, Bär oder auf einen Menschen, der besondere Kräfte und Rechte durch ein Erlebnis mit einen übernatürlichen Wesen empfangen hatte. In der Sozialordnung der Tlingit richtete sich das Ansehen Einzelner nach ihrem Reichtum. Um diesen zu zeigen, wurden die an der Nordwestküste aus religiösen Gründen veranstaltete Potlatch gefeiert. Dabei handelt es um ein großes Fest, bei dem die Gäste im Übermaße bewirtet und beschenkt wurden. Jedoch waren die Beschenkten automatisch aufgefordert ihrerseits ein noch größeres fest zu feiern.

Im 20. jahrhundert verbot die amerikanische Regierung vorübergehend diesen Ritus des Schenkens, da er Teile von Familien ja sogar ganze sippen ruinierten konnte. Die Tlinggit waren nicht so leicht zu besiegen deshalb ließen sie sich nie ganz aus ihren angestammten Gebieten vertreiben.

POTLACH-FESTE

Wie in keiner anderen Einrichtung verkörpert sich im Potlach die Quintessenz und Vielschichtigkeit aller Aspekte des Lebens in den Gesellschaften der Küstenregionen des nordwestlichen Nordamerikas. Oberflächlich betrachtet geht es im Potlach darum, daß ein Häuptling im Namen seiner Hausgruppe ein Fest gibt, bei dem andere Hausgruppen von nah und fern eingeladen, bewirtet und – vor allen deren Häuptlinge – in einer peinlich genau einzuhaltenden Rangfolge reichlich beschenkt werden, um den Ruhm des Gastgebers zu vermehren und seine gesellschaftliche Stellung zu festigen.

Der Potlach ist also ein “Geschenkfest”, und tatsächlich kommt die Bezeichnung dafür aus der Handelssprache Chinook-Jargon und bedeutet einfach “geben”. Die Annahme, die oft über Jahre hinweg für ein solches Fest betriebene Anhäufung von gigantischen Werten und der Zwang für die Gäste, es dem Gastgeber bei nächster Gelegenheit gleichzutun oder ihn gar zu übertrumpfen, seien nichts weiter als Akte einer selbstzerstörerischen Rivalität zwischen Häuptlingen, führte 1884 zum Verbot des Potlach durch die kanadische Regierung.
Fast alle Völker zwischen Südalaska und dem Columbia River machen einen deutlichen Unterschied zwischen einem “Fest” und einem “Potlach”. Beiden Veranstaltungen ist die Bewirtung zahlreicher Gäste und das Verteilen von Geschenken gmein, aber nur im Rahmen des Potlach werden erbliche Rechte übertragen. Ein guter Häuptling gab im Verlauf eines Jahres je nach Nahrungsangebot eine Reihe von größeren und kleineren Festen. Benachbarte Dorfgruppen wurden oft dazu eingeladen, was in Zeiten der Nahrungsknappheit auch das Überleben von Gruppen sichern konnte. Ein Potlach wurde hingegen weitaus seltener abgehalten; viele Häuptlinge gaben in ihrem Leben nur einen oder Zwei. Dies waren dann aber Ereignisse, über die man oft noch nach Generationen sprach.

Häufig fand ein Potlach oder ein “Fest” anlässlich des Eintritts von Angehörigen des Adels in einen neuen Lebensabschnitt statt: Reifefeiern, Hochzeiten, die Geburt des ersten Kindes, der Tod eines ranghohen Verwandten oder der Bau eines neuen Hauses waren meist begleitet von der Weitergabe oder Inanspruchnahme erblichen Titels, der durch Verteilung beziehungsweise Austausch von Geschenken öffentlich bestätigt werden musste. Starb ein raghoher Chef, gab es einen Trauerpotlach und nach etwa einem Jahr einen Gedenkpotlach, wobei seine Angehörigen alles weggaben, was sie besaßen. Viele Missionare erkannten den religiösen Charakter des Potlach klarer als die Regierungsbeamten und brandmarkten ihn daher als heidnischen “Ahnenkult”.

Wirklich wichtig für die Nordwestküstenvölker war neben dem zweifellos begrüßten Effekt der Umverteilung von Reichtum der welterhaltende Charakter des Potlch, in dem die mythischen Vorfahren und ihre spirituelle Kraft im Heute wieder auflebten. Die Weitergabe von innerhalb der Abstammungsgruppen vererbten Häuptlingsnamen und Privilegien zeigte die ungebrochene Verbindung der Ahnen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen an. Je mehr hochrangige Gäste als Zeugen anwesend waren, um so gültiger war der Anspruch des Erben auf den von ihm beanspruchten Namenstitel. Jeder Potlach bot die Gelegenheit, Familienrechte und -privilegien in Form der sie symbolisierenden Masken, Wandschirme, Tänze und Lieder öffentlich zur Schau zu stellen und sie in ihrem Bestand zu sichern. Gastgeberfamilien konnten für einen großen Potlach auch Tänze und Masken von anderen Familien mieten, die dafür nicht nur entsprechend bezahlt, sondern gleichzeitig als Besitzer dieser Rechte bestätigt wurden.

Geschmückt mit Bändern aus Schneeziegenwolle wartet ein Knabe und ein Mädchen auf die Verleihung ihrer ererbten Namen. Die um sie herum aufgestellten Potlachgaben reichen von Flechtmatten und Fotografien über Handelsdecken und Salish-Webereien bis zu Booten. Bevor die Zeremonie ihren Höhepunkt erreicht, werden alle Beteiligten durch den Auftritt zweier maskierter Sxwayxwey-Tänzer, die sich noch hinter dem Mattenverschlag rechts hinten verborgen halten, rituell gereinigt.

Zu den Privilegien zählten natürlich auch magische und spirituelle Fähigkeiten, die man nicht ohne Spaß am Wettkampf vorführte, wie der Twana-Salish Frank Allen dem Ethnologen William Elmendorf (1912-1977) um 1949 berichtete. Beim Potlach eines Cowichan-Häuptlings auf Vancouver Island um 1910 führten Kwakiutl-Gäste ihre dramatisch inszenierten Fähigkeiten vor, indem sie unter anderem einen Stein von zwei Fuß Durchmesser in einem Waschzuber zum Schwimmen brachten: “Dann riefen sie die Chiefs eines jeden Stammes auf, sich den Felsbrocken anzusehen. Wir drei gingen vor, sahen den Stein an, und er schwamm wirklich. Ich hatte ein Taschenmesser dabei, und ich prüfte den Stein damit. Es war tatsächlich ein Stein. Es war die Macht der Leqwiltox (Kwakiutl), die ihn nicht untergehen ließ, und das schlug alles, was die (Puget-)Sound-Leute bieten konnten. Bei Gott, bei dieser Macht ist es kein Wunder, daß die Leqwiltox in den frühen Tagen so böse gewesen sind!”

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es zu Überspitzungen des Potlach-Wesens. Durch die anfangs guten Erträge aus der gewerblichen Fischerei und dem Handel waren europäische Güter in großer Menge verfügbar, gleichzeitig lichteten Krankheiten und Kriege die Reihen der Häuptlinge, so daß junge Anwärter mit aller Macht in die erblichen Positionen drängten, die sie normalerweise, wenn überhaupt, erst in gereiftem Alter und mit der dazugehörigen Lebenserfahrung eingenommen hätten. Der Potlach wurde damit zum Schlachtfeld um Häuptlingstitel. Ja, einige der sozialen Aufsteiger begaben sich mit ihren neu erworbenen Reichtümern und Privilegien auf regelrechte Potlachtourneen von Dorf zu Dorf, um andere Chiefs zu beschämen und durch ihre Freigebigkeit zu übertrumpfen. Die an der zentralen Nordwestküste übliche flexible (ambilineare) Abstammungsrechnung über die väterliche oder die mütterliche Seite, die auch für die Vererbung von Titeln maßgeblich war, begünstigte das Schmieden strategischer Heiraten – die Häuptlinge strebten danach, ihren eigenen Nachfahren möglichst viele Titel zu sichern. Es häuften sich die Schuldenberge, mitunter mußten sich die Frauen prostituieren, um die benötigten Mittel zu erwirtschaften. Sklaven und Gemeinfreie wurden in Konservenfabriken und auf Walfangboote zur Arbeit geschickt und hatten selbstverständlich ihren Lohn abzuliefern.

Der Niedergang des Potlachwesens erfolgte dann weniger wegen des offiziellen Verbots, das ohnehin nur in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit Nachdruck durchgesetzt wurde, sondern spätestens in der Weltwirtschaftskrise, als die adeligen Familien verbittert erkennen mußten, daß sie ihre “Schulden” nicht mehr bezahlen konnten. Die in Internatsschulen erzogenen jungen Leute strebten nach anderen Werten, und das Wirken christlicher Lehren hatte zumindest bei den Tlingit, Haida, Tsimshian und Coast Salish den Potlach fast vollkommen zum Erliegen gebracht. In den letzten Jahrzehnten der Rückbesinnung fingen allerdings viele indianische Gemeinden zum Potlach zurück.

Chilkat-Decke Chilkat-Decke, Tlingit, Alaska (vor 1832)

Auch die bei feierlichen Anlässen getragenen Chilkat-Decken waren mit stark abstrahierten Motiven verziert, die sich auf die Privilegien ihrer adleigen Besitzer bezog. Auf der Decke im Bild ist in der Mitte ein Bär zu sehen, der von zwei “Kupfern” flankiert ist, die Reichtum symbolisieren. Für die Herstellung einer solchen Decke aus Zedernbast und der Wolle von Schneeziegen benötigte eine Frau gut ein Jahr. Da die heraldische Kunst Männersache war, benutze die Herstellerin ein von einem Künstler entworfenes Musterbrett als Vorlage, die sie in einer komplizierten Flechttechnik umsetzte. Das Musterbrett zeigte nur die Hälfte des Designs, die andere Hälfte wurde während des Flechtens spiegelbildlich hinzugefügt. Auf Potlachs zählen Chilkat-Decken, deren Herstellung im späten 20. Jh. wiederbelebt wurde, auch heute noch zu den spektakulärsten Gaben des Gastgebers an die Gäste.

Gäste und Familienmitglieder wurden ihrem Rang entsprechend auf verschiedenen Arten von Tellern bewirtet, wobei hochrangige Gäste aus bis zu zwei Meter langen Schüsseln aßen. Die abgebildete, über einem Meter lange Schüssel in Gestalt eines Bibers ist an den Seiten in klassischer Nordwestküstenart mit Gesichtern, die sich aus den Gelenken des Tiers entwickeln, verziert. Die Einlagen aus Opercula (den Verschlussdeckeln von Vorderkiemer-Schnecken) wurden mit Klebstoff aus gekochter Fischhaut befestigt.

“Es ist ein so gutes Gefühl, einen Potlach zu geben, denn du erfährst, wer du bist.” Diesen und ähnliche Kommentare bekommt man heutezutage als Gast auf einem Potlach zu hören. Zu den Vorbereitungen göhört es, genau festzulegen, wer eingeladen wird und in welcher Reihenfolge. Es muß in Erfahrung gebracht werden, in welchem Grade jeder einzelne mit jedem anderen Gast verwandt ist und in welcher genauen Rangfolge die verschiedenen Häuptlinge der eingeladenen Familien zueinander stehen.

Gäste, die mit mehreren der eingeladenen Familien verwandt sind, müssen sich entscheiden, als Mitglied welcher dieser Familien sie dort erscheinen. All das hat Konsequenzen für das genaue Protokoll der Veranstaltung und das Verhalten eines jeden Teilnehmers. Auf diese Weise fördert der moderne Potlach bei den Stammesmitgliedern ein besseres Verständnis ihrer eigenen Kultur, die mit ihrem hohen Anspruch an das Wissen jedes Einzelnen um seine Herkunft dem Irrgarten der vielen tausend Inseln und Meeresarme mit zuweilen überraschenden Strömungen und Untiefen gleicht, der ihre natürliche Umwelt ausmacht.

Verhält sich ein Gast unwissentlich mit einem Wort oder einer Geste wie der Gastgeber, was diesen beschämt, oder beginnt eine Tanzgruppe den Tanz einer bestimmten Familie auf der falschen Seite des Wandschirms im hinteren Teil des Hauses, hinter dem sich Tänzer formieren, sind offizielle Entschuldigungen und zuweilen Entschädigungszahlungen unvermeidlich. Es ist nicht leicht, ein Nordwestpazifiker zu sein.

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