WEDNESDAY, AUGUST 23, 2017

First Nations an der Nordwestküste



Der Stolz ist zurückgekehrt, die Häupter erheben sich. Nach Jahrhunderten sind die Ureinwohner auch im amtlichen Sprachgebrauch nicht mehr “Indianer”, sondern “First Nations”, die ersten Besiedler des Kontinents. Sie führen wieder ihre alten Namen und wollen wie vor 200 Jahren Herren ihres Landes sein.

Nordwestküste Seit dem Sommer 1998 machen die Makah Schlagzeilen. Sie haben sich vorgenommen, auf Walfang zu gehen – wie in alten Zeiten. Allein schon die Ankündigung hat Empörung ausgelöst. Eine Armada von Schiffen mit Tierschützern kreuzte wochenlang vor der Küste, um das Auslaufen des Zwölf-Mann-Kanus aus Zedernholz zu vereiteln. Bis die Winterstürme kamen.

Am Cape Flattery im Bundesstaat Washington leben heute 1.700 Angehörige einer Nation, die bei ihren Nachbarn einst “Großzügig mit Nahrung” hieß. Seit 70 Jahren verzichten sie darauf, Grauwale zu jagen, weil die Tiere durch industriellen Fang beinahe ausgerottet sind. Inzwischen aber werden wieder 23.000 Exemplare vor der Nordwestküste Amerikas vermutet. Daher pochen die Makah auf ein 1855 durch die US-Regierung verbrieftes Recht und auf ihre jahrtausendealte Überlieferung. Und die kann sich sehen lassen:
Bei der Ortschaft Ozette sind Archäologen auf Tausende von Artefakten gestoßen. Zeugnisse hochentwickelter Walfangtechniken. An diese Tradition wollen die Makah anknüpfen – eher aus psychologischen und keinesfalls aus kommerziellen Gründen, wie sie versichern.
Sie hoffen, daß der Beutezug und ein Gemeinschaftsmahl aus frischem Walfleisch ihrer jungen Generation das gibt, was ihr am meisten fehlt: Identitätsgefühl.

Allmählich ringen die Ureinwohner den Regierungen der Neuzeit alte Rechte ab. Ihre Identität hat Jahrhunderte der Unterdrückung unverwechselbar überdauert, von Assimilation einer ethnischen Minderheit keine Spur. Heute erweist sich als Vorteil, daß weder die englische Krone, noch die Regierungen Kanadas oder British Columbias es zuvor für nötig gehalten hatten, mit Ureinwohnern Verträge zu schließen. Denn inzwischen ist unter den Ersten Nationen eine Generation eigener Anwälte herangewachsen, die sich mit Dollars allein nicht abspeisen lassen.
Dem Volk der Nisga´a etwa werden, nachdem es 111 Jahre darauf gewartet hat, nun alte Landtitel zuerkannt: Sie dürfen ihre Ressourcen nutzen, sich selbst verwalten, eigenes Recht sprechen – und werden obendrein finanziell entschädigt.
Auch wenn die zugesagten 160 Millionen Mark wenig wenig sind gegen das, was aus ihrem Land in zwei Jahrhunderten an Fisch, Holz und Mineralien abtransportiert wurde: Die 5.500 Nisga´a sind zufrieden.
Auch die Provinzregierung ist stolz “auf eine Entscheidung, der alle anderen zuvor ausgewichen sind”, und spendiert für eine PR-Kampagne 1,9 Millionen Mark, um sie allen Bürgern verständlich zu machen. Noch folgenreicher dürfte die Delgamuukw-Entscheidung werden. Vor 20 Jahren hatte dieses Volk, gemeinsam mit 50 weiteren Ureinwohner-Gruppen, 58.000 Quadratkilometer Land reklamiert. Sie waren in allen Vorinstanzen gescheitert. Vor dem Supreme Court Canada bekamen sie nun recht, weil die Richter erstmals orale Überlieferungen – Legenden, Märchen, Lieder – als Beweismittel für vorkoloniale Territorien eines Volkes zuließen.

Fortan darf sich niemand mehr in die Verwaltung des Landes der Nisga´a einmischen: Sie können darin wie vor Zeiten jagen, fischen, Beeren sammeln – oder nach Belieben an der wirtschaftlichen Entwicklung des 20. Jahrhunderts teilhaben, also Bergbau und Holzindustrie betreiben.

Ausflüge in die Geschichte und Gegenwart der First Nations

Museum of Anthropology, Vancouver, B. C.
Die beste Forschungssammlung von Artefakten fast aller alten Kulturen der pazifischen Nordwestküste.
Das “offene Archiv” ist jedem Besucher zugänglich, und die First Nations arbeiten an Grabungen mit.

U´mista Cultural Centre, Alert Bay, B. C.
In einem extra zu diesem Zweck errichteten Langhaus haben die Kwakwaka´wakw mit alten Tanzmasken
ein realitätsnahes Potlach inszeniert, ein Fest des “Gebens”. In Alert Bay steht der Welt höchster
Totempfahl. Die Schnitzereien in 53 Meter Höhe sind nur durchs Fernglas zu erkennen.

´Ksan Historical Village, Hazelton, B. C.
Am Highway 16, zwischen Prince George und Prince Rupert, zeigt ein rekonstruiertes Dorf mit Langhäusern
und Totempfählen, wie die Gitxsan und Wet´suwet´en am Skeena River lebten.

Haida Gwaii Watchmen, Skidegate, Queen Charlotte Island
In alten Dörfern, die nur mit Booten oder Wasserflugzeugen zu erreichen sind, dürfen Totempfähle und
Häuser malerisch verrotten. Menschenwerk wird wieder zu Natur – wie es die Philosophie der Haida verlangt.

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